Der Beginn der Sammeltätigkeit

Die Anfänge der Melker Mineraliensammlung reichen weit in das 18. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1767 erwarb das Stift - unter dem damaligen Abt Urban II. Hauer (Amtszeit 1763 – 1785) - die Naturaliensammlung des Trientiner Weltpriesters Josephus (Guiseppe) Gianni. Diese enthielt hauptsächlich Conchylien, d. h. Schnecken und Muscheln, aber auch Mineralien. Der prächtige, handkolorierte Katalog der Conchyliensammlung (Stiftsbibliothek Sig. 18526) mit einer Widmung an den Abt ist mit Wien, 1765 datiert. Leider existiert kein vergleichbares Verzeichnis für die mineralogischen Objekte. Ob die ebenfalls überlassenen Vogel- und Schmetterlingspräparate - der Vogelkatalog stammt bereits aus 1746 und 1747 - in der ersten Lieferung enthalten gewesen sind, ist nicht mehr festzustellen. Ein Jahr später, 1768, verkaufte Gianni seine Münzsammlung und 1782 eine Kollektion wertvoller Gemälde, die heute im Festsaal der Prälatur präsentiert werden (man vgl. den Katalog 900 Jahre Benediktiner in Melk, 1989).

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Die Sammlung im 19. Jahrhundert

Im „Catalogus Benedictinorum Mellicensium“, der vom jeweiligen Prior des Klosters geführt wird, scheint als Kustos von 1801 bis 1809 P. Hieronymus Ryba auf.
Nach einer Notiz von Konstantin Krumhuber wurde in dieser Zeit auch eine Schulsammlung von St. Pölten nach Melk gebracht: „Laut hohem Hofdekret vom 13./27. v. J. muß von dem aufgelassenen Gymnasio zu St. Pölten die Mineraliensammlung, welche an dieses Gymnasium von dem Domprobsten Müller vermacht worden ist, dem Willen des Stifters gemäß nach Melk übertragen, und dort abgesondert von der Stiftssammlung zum Gebrauche der Gymnasialschule aufbehalten werden, ... (Überbringung einer Mineraliensammlung von St. Pölten nach Melk vom 6. 3. 1806)“

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Die Kustoden der Mineralien- und Naturhistorischen Sammlung des Stiftes Melk
1739 - 1762P. Martin Kropff, Bibliothekar
1768 - 1779P. Beda Schuster (†1806), Bibliothekar
1780 - 1783P. Koloman Hartner (†1812), Bibliothekar
1783 - 1786P. Gregor Mayer (†1820), Bibliothekar
1786 - 1800P. Benedikt Strattmann (†1838), Bibliothekar
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Aufstellung im Dietmayrsaal

Im Jahre 1913 wurde das Wirtschaftsarchiv des Stiftes, das sich im Melkerhof in Wien befand, aufgelassen und nach Melk übersiedelt. Die Mineraliensammlung musste dem Archiv weichen und wurde im Dietmayrsaal aufgestellt.

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Die Wanderjahre

Schon einige Jahre vor 1980 fristete die Sammlung ein eher trauriges Dasein. Aus Mangel an Wissen, Interesse und Verständnis über den wissenschaftlichen und materiellen Wert der Mineraliensammlung musste die Sammlung nun auch aus dem Dietmayrsaal weichen, um der Landesausstellung 1980 („Österreich zur Zeit Kaiser Josephs II.“) Platz zu machen (der Abtransport dürfte aber schon etliche Jahre vorher erfolgt sein). Die Schäden, die an vielen Exponaten durch die unsachgemäße Verpackung und den oftmaligen Transport entstanden, sind enorm. Beispielsweise wurden die Objekte in Säckchen gesteckt und ohne weitere Dämmung übereinander in Kartons verpackt. Diese wurden aus Platzgründen übereinander gestapelt.

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Die heutige Aufstellung

Nach mehreren Umsiedlungen fand die Mineraliensammlung somit in den Räumen des ehemaligen Wirtschaftsarchives, d. h. der einstigen alten Abtbibliothek, eine endgültige Heimat. Der Raum eignet sich bestens für die Präsentation der Mineralien und besticht durch seine reiche Stuck-Ausstattung und durch das wunderbare barocke Deckengemälde (mit der Darstellung des alten Stiftes, der Jahreszahl 1633 und des Stiftswappens, umgeben von den Apostelfürsten Petrus und Paulus und den Patronen der Klosteranlage, Kolomann und Leopold; darüber schweben Engel mit Palmzweigen und Lorbeerkränzen). Der Boden ist mit „Kehlheimer Platten“, d. h. Solnhofener Kalkstein ausgelegt.

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Dank

Für vielerlei Unterstützungen und Hilfestellungen sei herzlichst gedankt: Abt Dr. Burkhard Ellegast (Abt von 1975 bis 2001), Abt Georg Wilfinger (ab 2001), Archivar P. Prior Mag. Wilfried Kowarik, Bibliothekar Dr. P. Gottfried Glaßner, P. Dr. Jeremia Eisenbauer.
Besonderer Dank gebührt den Tischlern, die es in den vergangenen Jahren verstanden haben, die alten Mineralienschränke so professionell und perfekt zu restaurieren!

 
Literatur

JAHRES-BERICHT des kaiserlich-königlichen Ober-Gymnasiums zu Melk (später: Jahresbericht des öffentlichen Stiftsgymnasiums der Benediktiner zu Melk).- Melk (Selbstverl. des Gymnasiums), ab 1851 - heute

KATALOG (1989): 900 Jahre Benediktiner in Melk.- Jubiläumsausstellung 1989 im Stift Melk, 493 S. [man vergl. die Kat.-Nr. 32.01 - 33.02 von R. Krall und K. Schulz]

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